Wer die Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, im Gepäck hat, ist echt gestraft. Denn so verlockend der Urlaub auch ist, An- und Abreise sind der Horror. Als Reisekrankheit bezeichnet man die körperliche Reaktion auf ungewohnte Bewegungen in Verkehrsmitteln. Ob Auto, Schiff oder Flugzeug, Übelkeit ist in der Regel vorprogrammiert, wenn’s ganz schlimm wird, kommt Schwindel und Erbrechen hinzu. Auch für die Mitreisenden kein reines Vergnügen, aber für den Betroffenen wird die Tour zur Tortur.
Wie entsteht die Reisekrankheit?
Medizinisch betrachtet ist der Auslöser ein sensorischer Konflikt: Das Gehirn bekommt widersprüchliche Informationen. Absender sind Gleichgewichtsorgan, Augen und teilweise Muskeln und Gelenke. Das Vestibularsystem im Innenohr meldet Bewegung und Beschleunigung, die Augen Stillstand – wenn man im Auto hinten sitzt zum Beispiel und auf den Vordersitz, ein Buch oder Handy schaut. Je nach Empfindlichkeit kann das Gehirn überfordert sein, die unterschiedlichen Signale sauber zusammenzubringen. Diese Verwirrung sorg dafür, dass Stress- und Brechzentren im Hirnstamm aktiviert werden, oft mischt auch Histamin mit. Neben der bereits erwähnten Übelkeit bis hin zum Erbrechen können extreme Blässe, kalter Schweiß, Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen hinzukommen.
Warum erwischt es nicht alle?
Die Empfindlichkeit des Gleichgewichtsorgans, Verarbeitung im Nervensystem und psychische Faktoren sind individuell unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt ein paar Faktoren, die die Reisekrankheit begünstigen können: Angst und Aufregung (beim Verreisen ja häufig relevant, besonders bei Kindern), Schlafmangel, Alkoholkonsum, schlechte Luft, Migräne, Schwangerschaft.
Was hilft?
Die Reize reduzieren: im Auto vorne sitzen, in Fahrtrichtung schauen, auf dem Schiff den Blick auf den Horizont richten und unterwegs nicht lesen oder den Blick aufs Handy richten. Wenn möglich viele Pausen machen, frische Luft tanken, vor Abfahrt ausreichend schlafen.
Und: die homöopathische Reiseapotheke griffbereit haben. Wir haben unterschiedliche Mittel für Reiseübelkeit – Cocculus gehört dazu, Tabacum und Petrolium. Aber auch Nux vomica und Sepia können richtig sein. Daneben finden sich Conium maculatum, Euphorbia corollata, Theridion curassavicum besonders für Symptome auf Schiffsreisen in der Fachliteratur. Auf Flugreisen hat sich Borax schon oft bewährt, auch in Kombination mit Psorinum. Wann welches Mittel angezeigt ist, entscheiden wie immer die Symptome und die Modalitäten – also was bessert und was macht die Lage schlimmer? Ein Vergleich: Wenn man Cocculus braucht, bessert sich die Übelkeit durch ruhiges Liegen und das Schließen der Augen, bei Petroleum-Patienten wird der Schwindel schlimmer, wenn sie sich hinlegen. Das sind nicht die einzigen Unterscheidungsmerkmale, aber wichtige. Am besten beraten lassen, wann welches Mittel zum Einsatz kommt! Und dann kann’s losgehen … auf eine entspannte Fahrt in den Urlaub!
Foto von Artem Zhukov: https://www.pexels.com/de-de/foto/strasse-landschaft-abenteuer-leer-14925073/



